Manchmal fühlt sich ein Verlust an, als würde eine ganze Ära enden. Auch wenn ich ihn nie persönlich kennengelernt habe, trifft mich sein Tod doch wirklich sehr.
Robert Redford war nie nur ein Schauspieler für mich. Er war ein Gesicht, das ganze Geschichten erzählen konnte, ohne ein einziges Wort zu sagen. Als ich Die Unbestechlichen das erste Mal gesehen habe, war ich noch viel zu jung, um die ganze Tragweite der Watergate-Affäre zu begreifen. Aber ich habe verstanden, dass es um Wahrheit geht, um Mut und um den Preis, den man zahlt, wenn man hinsieht statt wegschaut.
Später entdeckte ich Der Clou und ich habe selten so ein elektrisierendes Zusammenspiel erlebt. Newman und Redford, das war keine Filmchemie, das war Magie. Dieser Humor, diese Leichtigkeit, und gleichzeitig das Gefühl, dass hier zwei Männer auf der Leinwand standen, die genau wussten, was sie taten. Kein Wunder, dass der Film sieben Oscars holte. Selbst heute lasse ich den Film einfach mal nebenbei laufen, weil’s einfach so gut ist.
Heute läuft Ein unmoralisches Angebot in der ARD-Mediathek. Vielleicht nicht sein größtes Werk, aber einer dieser Filme, die zeigen, wie er es verstand, selbst moralische Dilemmata mit Charme und Tiefe auszufüllen. Trotzdem bleibe ich dabei: Wer Redford wirklich verstehen will, sollte sich die beiden anderen Klassiker ansehen.
Er ist mit 89 Jahren friedlich eingeschlafen. Und trotzdem, es fühlt sich zu früh an. Vielleicht, weil solche Figuren zeitlos wirken. Weil man sie nicht altern sehen will. Was bleibt, sind Filme, die nicht nur unterhalten, sondern die man spürt. Redford hat nicht bloß gespielt, er hat gelebt vor der Kamera.